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Schuldnerberatung

deliktunspezifisches Behandlungsangebot

Nach § 11 Abs. 1 ThürJVollzGB sollen Gefangene darin unterstützt werden, u.a. im Falle einer Ver- oder Überschuldung eine Schuldenregulierung herbeizuführen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen immer wieder, dass 60-90 % der Inhaftierten ver- oder sogar überschuldet sind. Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass allein auf die Gerichtskosten über 20 % der Gesamtverbindlichkeiten fielen. Schulden bei öffentlich-rechtlichen Gläubigern, wie beispielsweise Unterhaltsrückstände oder Forderungen von Krankenkassen stellen oftmals den zweitgrößten Posten dar.  Es folgen Schadensersatzforderungen, sonstige private Forderungen, Mietrückstände sowie Telekommunikationsschulden.

Entsprechend hoch ist der Beratungsbedarf. Viele Gefangene haben den Wunsch, die Schulden durch das Verbraucherinsolvenzverfahren zu regulieren.

Bereits vor Beginn der Beratungsgespräche wird der mit in die Verantwortung genommen, indem er u.a. angehalten wird, eine SCHUFA-Auskunft einzuholen oder sich über Angehörigen vorhandene Gläubigerunterlagen zuschicken zu lassen.

Zu Beginn der Schuldnerberatung werden realistische Wünsche und Ziele im Hinblick auf die Schuldenregulierung abgeklärt. Sofern aufgrund der Haftzeit nur eine kurze Zusammenarbeit möglich ist, werden die Gläubigerunterlagen gesammelt, sortiert und dem Gefangenen vor der Entlassung ausgehändigt. Der Gefangene wird in diesem Fall an die Schuldnerberatung vor Ort verwiesen und die entsprechenden Kontaktdaten ausgehändigt. Bei Verlegungen in eine andere JVA werden die Unterlagen über die JVAen übermittelt.

Ein immer wieder auftretendes Problem ist die Regulierung der Unterhaltsschulden gegenüber eigenen Kindern, das heißt die Zahlung von laufendem Unterhalt mit Unterhaltstitel. Viele Gefangene haben Unterhaltsverpflichtungen und erzielen pfändbares Einkommen in der JVA. Wenn dieses erzielte Einkommen gepfändet wird, kann der Unterhaltspflichtige seinen Unterhaltspflichten nicht mehr nachkommen. Hier wäre eine gesetzliche Regelung wünschenswert, die Unterhalt vorrangig vor Pfändungen durch andere Gläubiger tituliert.

Viele Gefangene verfügen nur über unzureichend entwickelte Fähigkeiten im Umgang mit Geld. Ohne entsprechende Beratung kann dies nach der Entlassung schnell wieder zu einem Risiko für erneute Straftaten - bis hin zum Scheitern des Verbraucherinsolvenzverfahrens - führen. Durch die Zusammenarbeit von Hilfe bei der Schuldenregulierung und Vorbereitung der gewünschten Beratungsgespräche durch den Sozialen Dienst im Justizvollzug und professioneller externer Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung können die Gefangenen dazu angeleitet werden, ihre Schuldensituation auch nach der Entlassung erfolgreich zu klären.