Seitenbeginn . Zur Hauptnavigation . Zum Seiteninhalt

Suchtbehandlung

deliktunspezifisches und deliktspezifisches Behandlungsangebot

Problembeschreibung

Statistisch gesehen werden über 70 % aller Straftaten unter Einwirkung von Suchtmitteln und Drogen begangen oder sind auf diesen Hang zurück zu führen (Beschaffungskriminalität, Fahren unter Alkoholeinfluss, usw.). Wenn wir von diesen Gefangenen sprechen, sprechen wir über suchtkranke Menschen.

Solche oder ähnliche Statements sind in Bezug auf drogenabhängige Menschen nicht selten zu hören. In der Gesellschaft zwar fest verwurzelt aber genauso auch ausgegrenzt, steht der Begriff “Sucht“ für Schwäche, körperlichen Verfall, Kriminalität.

Aber was bedeutet eigentlich Sucht?

„Sucht ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die Abhängigkeit von einer Substanz oder einem Verhalten. Der Betroffene hat keine Selbstkontrolle mehr. Er steht unter dem Zwang, mit Hilfe von bestimmten Substanzen (z.B. Alkohol, Cannabis, Kokain, Heroin, Crystal) oder bestimmten Verhaltensweisen (z.B. Glücksspielen), belastende Gefühle zu vermeiden. Unterschieden wird in sogenannte substanzbezogene und verhaltensbezogene Abhängigkeiten. "Sucht ist als Krankheit anerkannt“  (Caritas, Caritas Deutschland). Aber wird „Sucht“ auch wirklich als Krankheit in der Gesellschaft wahrgenommen? Hat ein suchtkranker Mensch die gleiche Akzeptanz wie ein z. B. Diabetiker Typ 2 B, der Zeit seines Lebens Raubbau an seinem Körper getrieben, sich übermäßig ernährt und keinen Sport getrieben hat? Steht ein suchtkranker Mensch auf der gleichen Stufe wie ein lungenkranker Mensch, der seit Jahren raucht oder steht er auf der gleichen Stufe mit einem rücken leidenden Menschen, der nie gewillt war, seine Rückenmuskulatur mit Sport zu kräftigen? Diese Frage kann sich jeder selbst beantworten. Sie soll dazu dienen, die eigene Einstellung und Haltung zum Thema „Sucht“ noch einmal bei sich selbst zu hinterfragen.

Auf diese suchtkranken Gefangenen soll das Behandlungsangebote der JVA Untermaßfeld ausgerichtet werden.

Suchtberatung der JVA Untermaßfeld

  1. 960 Fachleistungsstunden im Jahr = 80 Fachleistungsstunden im Monat durch das Sozialwerk Meiningen
  2. 60 % Gruppenarbeit, 40 % Einzelgespräche (v.a. Therapiebeantragung)
  3. Es werden 4 verschiedene Gruppen werden angeboten:
  4. Infogruppe, Alkoholgruppe, Drogengruppe, offene Gruppe und eine Gruppe auf der TVS
  5. Die Vorgehensweise, dass jeder Erstkontakt über die Infogruppe läuft, hat sich als Praktikabel erwiesen, hier erfolgte eine Vorauswahl über weitere Hilfsangebote. Vorteil ist, dass der Hilfebedarf kurzfristig erhoben werden kann und ein Zeitrahmen für nachfolgende Hilfsangebote festgelegt wird. Mit der Infogruppe können kurzfristig mehr Klienten erreicht werden, die Wartezeit für einen Erstkontakt kann hierdurch verkürzt werden.

Die Alkoholgruppe und die Drogengruppe werden durch ein standardisiertes Programm geführt und als geschlossene Gruppe angeboten. Nach Abschluss erhält der Gefangene eine qualifizierte Teilnahmebestätigung.

Jeder Gefangene, der weiter an seiner Suchtmittelabhängigkeit arbeiten möchte, kann sich für die offene Gruppe bewerben, die einmal pro Monat stattfindet und insbesondere der Behandlungssicherugn dient.

Die Gruppenarbeit auf der Therapievorbereitungsstation (TVS) ist durch das Behandlungskonzept der TVS näher beschrieben und wird durch eine Mitarbeiterin der Beratungsstelle Meiningen (externe Suchtberatung) und eine Anstaltspsychologin therapeutisch unterstützt.

Einzelgespräche werden vorrangig zur Beantragung einer Kostenzusage für Suchtentwöhnungstherapien genutzt oder für Gespräche zwischen Therapeuten und Gefangene zu Themen, die die Gefangenen nicht in einer Gruppe thematisieren möchten (Rückfall während der Haft, persönliche Befindlichkeiten usw.).

Therapievorbereitungsstation Sucht

deliktspezifische Behandlung

nimmt die aktive Auseinandersetzung der Inhaftierten mit ihrer Lebensgeschichte und ihrer Straftat eine bedeutende Rolle ein. Über gezielte Gesprächsangebote der Fachdienste wird dem Inhaftierten die Möglichkeit eingeräumt, an seinen Kompetenzen zu arbeiten und seine Defizite zu minimieren. Dies wird ermöglicht über psychosoziale Einzelgespräche, Schulden- und Suchtberatung und vieles mehr. Auch die seelsorgerische Betreuung für Gefangene unterschiedlichen Glaubens ist sichergestellt. Im Vergleich zur früheren Praxis im Strafvollzug der DDR hat hier ein erheblicher Paradigmenwechsel stattgefunden. Mehr denn je steht der Inhaftierte im Fokus des Vollzuges, verbunden mit dem Ziel, ihn möglichst umfassend und nachhaltig wieder in die Gesellschaft eingliedern zu können. Die Betreuung erfolgt in einem ausgewogenen Verhältnis auf vielen unterschiedlichen Ebenen und zielt insbesondere auf die Mitwirkungsbereitschaft des/der Inhaftierte