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Suizidprävention

Der Freiheitsentzug, der plötzliche (und längerfristige) Verlust des gewohnten sozialen Umfeldes - der sozialen Unterstützung - und die Konfrontation mit den Lebensbedingungen und der Lebenswirklichkeit im Gefängnis können einen sogenannten „Haftschock“ auslösen. Gegenüber der Allgemeinbevölkerung treten Suizide überproportional häufig in Haft auf und stehen hier als Todesursache an erster Stelle. Das Risiko eines Suizids ist sowohl in der Untersuchungshaft als auch im ersten Monat der Strafhaft, vor allem in den ersten drei Tagen, besonders hoch.

Der allgemeine Vollzugsgestaltungsgrundsatz gem. § 7 des Thüringer Justizvollzugsgesetzbuches betont die Bedeutung der Verhütung von Selbsttötungen.Der Vollzug ist daher verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen.

Der Freistaat Thüringen ist bestrebt, die Einwirkungen der Haft zu minimieren und Gefahren zu erkennen. Das Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz setzte daher dauerhaft als beratendes Gremium eine Landesarbeitsgemeinschaft ein, die im Auftrag notwendige und sinnvolle Instrumente und Maßnahmen zur Suizidprävention entwickelt und die Umsetzung in die Praxis begleitet und auswertet.

Übergeordnetes Ziel der Landesarbeitsgemeinschaft Suizidprävention ist die Verhinderung von und professionelle Auseinandersetzung mit Suiziden und suizidalen Ereignissen. Jede Thüringer Justizvollzugsanstalt entsendet ständige Mitglieder in die Landesarbeitsgemeinschaft, so auch die Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld. Die ständigen Mitglieder fungieren gleichzeitig mit weiteren Bediensteten der Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld als „Anstaltsteam Suizidprävention“.

Das „Anstaltsteam Suizidprävention“ dafür zuständig, die erarbeiteten, weiterentwickelten und ausgewerteten Standards, Prozessbeschreibungen und Handlungsleitfäden, Formulare, Flyer und Plakate sowie Konzeptionen der Landesarbeitsgruppe in die Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld zu transferieren. Die erarbeiteten Empfehlungen werden in der Anstalt bekannt gegeben und sich an der durchgehenden Umsetzung beteiligt. Die Mitglieder treffen sich eigeninitiativ mindestens einmal im Quartal, um die Einhaltung der Standards zu überprüfen, die Suizidprävention in der Anstalt zu verbessern und aktuelle Probleme zu erörtern. Das „Anstaltsteam Suizidprävention“ ist Ansprechpartner und Mittler für alle Vollzugsbediensteten zu Fragen der Suizidprävention.

Um das Thema Suizidalität und Suizidprävention ständig präsent zu halten, erfolgt die beständige Sensibilisierung aller Vollzugsbediensteten. Ebenso erfolgt die Mitwirkung an der Planung, Entwicklung und Durchführung von Fortbildungen zum Umgang mit Suizidalität, psychiatrisch auffälligen Inhaftierten oder Erste-Hilfe-Kurse.

Bereits zu Haftbeginn wird mit jedem Inhaftierten ein Risiko-Screening im Hinblick auf das Vorliegen einer möglichen Suizidalität durchgeführt. Sofern sich daraus Hinweise auf Suizidalität ergeben, wird die Person dem Psychologischen oder Medizinischen Dienst vorgestellt, um eine umfangreiche Diagnostik durchzuführen und einer entsprechenden Behandlung zuzuführen. Im weiteren Verlauf werden Entscheidungen über Unterbringungsmöglichkeiten getroffen, es finden Konsile und Stationskonferenzen zwischen einzelnen Abteilungen statt, auch Einweisungen in psychiatrische Versorgungseinrichtungen oder in ein Haftkrankenhaus werden seitens des Anstaltsarztes geprüft. Müssen besondere Sicherungsmaßnahmen angeordnet werden, so wird der Betroffene mindestens täglich durch Bedienstete angesprochen und regelmäßig durch die Fachdienste betreut. Unmittelbar nach Aufnahme werden allen Gefangenen Zugangspakete mit Kaffee/Tee, Schokolade und evtl. Tabak zur Verfügung gestellt. Auch der Flyer „Niedergeschagen? Schlecht drauf?“ des Nationalen SuizidPräventionsProgrammes wird an jeden neu aufzunehmenden Inhaftierten ausgehändigt. Dieser ist in vielen verschiedenen Sprachen vorrätig.

Ein zeitnaher Arbeitseinsatz bzw. die rasche Integration in andere adäquate Freizeit- und Beschäftigungsmöglichkeiten wie die Arbeitstherapie sorgen für Ablenkung und Integration in den Haftalltag.

Nicht nur zu Haftbeginn erfolgt die Überprüfung der Gefangenen, auch im weiteren Haftverlauf, z. B. im Rahmen einer Vollzugsplanfortschreibung. Wenn der Gefangene negative Nachrichten erhält (z. B. der Tod eines nahen Angehörigen oder eine hohe ist Haftstrafe zu erwarten), kann er sich an die Bediensteten wenden bzw. diese wenden sich ihm zu.

Der Soziale Dienst der JVA Untermaßfeld steht für alle Fragen im sozialen Bereich für Angehörige und Inhaftierte zur Verfügung.

Weiter weisen im Besuchsbereich der Justizvollzugsanstalt Plakate und Flyer Angehörige darauf hin, an wen sie sich in der Justizvollzugsanstalt wenden können, wenn sie sich Sorgen um ihren inhaftierten Partner oder ihr Familienmitglied in Haft machen.

Doch auch bei bester Suizidprävention lässt sich nicht jeder Suizid verhindern. Was das Recht verlangt, ist das Naheliegende und Bestmögliche zu tun!