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Sozialtherapie

Was bedeutet Sozialtherapie im Justizvollzug?

Grundgedanke einer sozialtherapeutischen Abteilung (SothA) ist es, dass ein besonderes Zusammenwirken verschiedener therapeutischer Interventionen notwendig ist, um bei den hierfür geeigneten Insassen eine Veränderung herbeizuführen und so einer Rückfälligkeit vorzubeugen. Die gesamte Behandlung soll dabei auf den Einzelfall abgestimmt sein und ein breites Repertoire von einzeltherapeutischen Maßnahmen, gruppen­therapeutischen Maßnahmen, Training und milieutherapeutischen Anteilen enthalten.

Die Sozialtherapeutische Abteilung für männliche erwachsene Strafgefangene in Thüringen

Zielsetzung

Zielsetzung ist es, dem Insassen entsprechend der gesetzlichen Vorgabe zu befähigen, ein Leben in sozialer Verantwortung zu führen, ohne Straftaten zu begehen.

Oberstes Ziel der Therapie ist somit, einer Rückfälligkeit vorzubeugen. Es wird davon ausgegangen, dass es verschiedene Faktoren gibt, die hierfür eine Rolle spielen. Diese werden im Rahmen der Therapieplanung im Einzelfall herausgearbeitet und mit dem Insassen besprochen. Diese stellen dann die ganz persönlichen Therapieziele des Einzelnen dar. Allgemein kann gesagt werden, dass in den meisten Fällen folgende Faktoren eine große Rolle spielen:

  • Einsicht in die Zusammenhänge
  • Verantwortungsübernahme
  • Umgang mit Gefühlen
  • Opferempathie
  • Erwerb sozialer Kompetenzen

Aufnahmekriterien

Insassen, die ihre Straftaten aufarbeiten wollen, um so einer Rückfälligkeit vorzubeugen, können sich freiwillig für eine Therapie bewerben. Außerdem ist es möglich, rückfallgefährdete Sexualstraftäter auch gegen ihren Willen in die SothA zu verlegen.

Die Therapienotwendigkeit, die Therapiefähigkeit sowie die Therapiebedürftigkeit sind weitere wichtige Voraussetzungen für eine Aufnahme.

Therapieplanung und Therapeutische Angebote

Nach der Aufnahme in die SothA wird im Rahmen der Therapieplanung zunächst die spezifische Störung des Inhaftierten besprochen und ein individueller Therapieplan erstellt. Darin wird festgelegt, welche Behandlungsmodule dem Insassen empfohlen werden. Der Gefangene ist dann dafür verantwortlich, sich für diese Module zu bewerben und durchzuführen. Er erhält ein Behandlungsheft, in dem er sich die wahrgenommenen Behandlungsmaßnahmen von den zuständigen Fachkräften (Psychologischer Dienst, Sozialer Dienst) bestätigen lässt.

Im einzelnen werden folgende Behandlungsmodule angeboten:

  • Einzelgespräche
  • Orientierungsgruppe
  • deliktspezifische Gruppe
  • Suchtgruppe
  • Soziales Training – Alltagsbewältigung/soziale Kompetenzen
  • Entspannungsverfahren
  • Kommunikationsworkshop

Methoden

Die sozialtherapeutische Abteilung der JVA Tonna versteht sich insgesamt eher als eine verhaltenstherapeutische Abteilung, es wird davon ausgegangen, dass es sich bei den kriminellen Verhaltensweisen um erlerntes Verhalten handelt. Die Tatsache, dass es spezielle Dispositionen geben kann, wird dabei nicht vernachlässigt.

Durch das Zusammenwirken von Einzelgesprächen, Gruppengesprächen sowie Milieutherapie soll der Täter neue Erfahrungen machen und zuvor besprochene alternative Verhaltensweisen einüben und umsetzen. Wesentliche Methoden der therapeutischen Einzelarbeit stellen die vertikale als auch die horizontale Verhaltensanalyse dar.

In der horizontalen Verhaltensanalyse wird erarbeitet, welche Situationen der Straftat vorausgehen und welche Lernerfahrungen bzw. Dispositionen genau diese Verhaltensweise begünstigen und anderen Verhaltensweisen entgegenstehen. Ferner wird untersucht, welche positiven Konsequenzen das straffällige Verhalten begünstigt und so den negativen Konsequenzen wie z. B. Strafvollzug die Wirkung nimmt.

In der vertikalen Verhaltensanalyse wird über den Lebenslauf hinweg herausgearbeitet, welche Lernerfahrungen jemand gemacht hat und welche Muster in der Reaktionsweise sich dadurch herausgebildet haben. Durch diese therapeutische Methode werden dem Täter die Zusammenhänge, die es zwischen seiner Biographie, seiner Persönlichkeit und der Interpretation von Situationen gibt, offensichtlich und er sieht deutlicher, an welchen Stellen Veränderungen vorgenommen werden können oder sollten.

Das Grundkonzept der Abteilung beruht auf Transparenz und Struktur. Insassen, die sich für eine Therapie melden, sind gefordert, sich auf diese Struktur einzulassen und können in der Struktur einen Halt bekommen, den sie für sich selbst häufig noch nicht entwickelt haben. Durch die Transparenz soll erreicht werden, dass Prozesse, die sonst im Verborgenen ablaufen, bearbeitet und ausgewertet werden können. Auch soll damit Spaltungsmöglichkeiten, die Täter im Leben oder im normalen Vollzug häufig anwenden, entgegengewirkt werden.

Die Abteilung versteht sich als parteiisch im Sinne der Rückfallvermeidung, andere Ziele wie z. B. von Depressionen oder Stabilisierung der Psyche allgemein sind diesem Ziel untergeordnet. Meist bilden diese Punkte jedoch keinen Widerspruch, da die Erfahrung gemacht wurde, dass mit Abschluss der Therapie auch diese anderen Ziele, die für Insassen oft im Vordergrund stehen, ebenfalls erreicht wurden.

Rückverlegung

Im Einzelfall ist es möglich, Insassen, die sich auf Grund von Faktoren, die in ihrer Person begründet liegen, als ungeeignet für die Therapie erwiesen haben, in den Regelvollzug zurückzuverlegen.