Schulische Bildung und berufliche Qualifizierung
Schulische Bildung
Die schulische Bildung ist Bestandteil der Vollzugsplanung und -gestaltung zur Erreichung des Vollzugszieles.
In der JVA Goldlauter umfasst sie Angebote der Grundbildung und Alphabetisierung.
Ein jeweils dreimonatiger Schulkurs wird 3 Mal pro Jahr durchgeführt. Die schulischen Kenntnisse werden in den Fächern Deutsch, Mathematik, Wirtschaft, Technik, Sozialkunde, Ethik und Bewerbungstraining „aufgefrischt“.
Der Alphabetisierungskurs wird für Gefangene mit Migrationshintergrund sowie mit Lese- und Rechtschreibproblemen angeboten.
Zur Durchführung der schulischen Bildungsmaßnahmen wurde die Volkshochschule in Suhl vertraglich gebunden.
Deutschkurs
Für Gefangene mit Migrationshintergrund und für Gefangene mit Lese- und Rechtschreibproblemen wird ein laufender Alphabetisierungskurs von der Volkshochschule in Suhl auf Honorarbasis angeboten.


Berufliche Qualifizierung
Die berufliche Bildung der Strafgefangenen ist ein wichtiger Bestandteil des Behandlungsvollzuges und dient zugleich als Instrument der erfolgreichen, straffreien (Re-)Integration der Haftentlassenen in die Gesellschaft.
Die Bildungsmaßnahmen des Projektes B.I.S.S. „Berufliche Bildung und Integration Strafgefangener und Strafentlassener“, werden aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und durch Landesmittel mitfinanziert.
Das Ziel von B.I.S.S. ist es, straffällig gewordene Menschen nachhaltig beruflich und sozial zu integrieren. Dies geschieht unter Beachtung des individuellen Bildungsbedarfes durch marktkonforme berufliche Qualifizierungsmaßnahmen.
In der JVA Goldlauter ist der Bildungsträger das Berufsfortbildungswerk Gemeinnützige Bildungseinrichtung des Deutschen Gewerkschaftsbundes GmbH (bfw) mit der Umsetzung von B.I.S.S. beauftragt.
Insgesamt 45 Teilnehmer können in drei Berufsfeldern qualifiziert werden, um ihre Erwerbsfähigkeit zu fördern und Berufsschancen zu verbessern.
Im geschlossenen Vollzug werden das Berufsfeld Lagerwirtschaft und das Berufsfeld Maler und im offenen Vollzug und Haus V das Berufsfeld Garten- und Landschaftsbau angeboten.
Die beruflichen Bildungsmaßnahmen bieten anerkannte Abschlüsse der Industrie und Handelskammer (IHK) und des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR) an. Außerdem können die Teilnehmer ein Trägerzertifikat oder eine Teilnahmebescheinigung des Bildungsträgers bfw erlangen.
Die Analyse der Kenntnisse, Fertigkeiten und Neigungen, die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen sowie die berufliche Übergangsbegleitung und Nachsorge sind weitere wichtige Bestanteile des Projektes B.I.S.S.
Projekt B.I.S.S. und die IHK-zertifizierten Ausbildungsmodule in der JVA Goldlauter
Im Jahr 1993 wurde das bfw – Unternehmen für Bildung vom Thüringer Justizministerium erstmals beauftragt, in den Thüringer Haftanstalten berufliche Qualifizierung für Inhaftierte durchzuführen. Das bfw ist eine gewerkschaftliche Bildungseinrichtung und gemeinnützig. Das heißt, es werden keine erwerbswirtschaftlichen Ziele verfolgt, sondern alle Einnahmen ausschließlich für die Bildungsarbeit verwendet. Das bfw arbeitet dezentral und ist in allen Bundesländern vertreten.
In der JVA Goldlauter ist das bfw seit 1999 tätig und seit 2007 im Rahmen des Projektes „B.I.S.S.“ - Berufliche Bildung und Integration Strafgefangener und Strafentlassener. Auftrag des Projektes „B.I.S.S.“ ist eine nachhaltige berufliche und soziale (Re-)Integration von Strafgefangenen und die Vermeidung von Rückfälligkeit durch ein berufliches Übergangsmanagement für die teilnehmenden Gefangenen. Dies geschieht unter besonderer Beachtung des individuellen Bildungsbedarfes durch auf dem ersten Arbeitsmarkt nachgefragte Berufsbildungsmaßnahmen, die zur Erlangung bzw. zum Erhalt der Erwerbsfähigkeit beitragen.
Die Erfahrungen des Bildungsträgers haben gezeigt, dass hierzu ein Ansatz notwendig ist, der ein Höchstmaß an individueller Unterstützung des einzelnen Straffälligen bietet und auf eine enge und vernetzte Zusammenarbeit mit sozialen, beruflichen und justizialen Institutionen setzt, um durch die Verbindung von kriminalpräventiven mit arbeitsmarktbezogenen Strategien positive Synergieeffekte zu erzeugen. Hierzu wird einerseits die individuelle Berufswegplanung der Straffälligen gefördert, andererseits die wirtschaftliche Entwicklung der Region und auch die aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes beachtet. Die berufliche Integration wird durch ein gezieltes Übergangsmanagement gestützt, um eine nachhaltige Eingliederung in das Erwerbsleben zu erreichen.
Finanziert wird dieses Projekt durch den ESF – Europäischen Sozialfonds sowie durch Landesmittel.
Für die drei Berufsfelder Holz, Farbe und Garten- und Landschaftsbau stehen vom bfw für insgesamt 45 Teilnehmer die jeweiligen Ausbilder, eine Sozialarbeiterin und ein Integrationsbegleiter bereit.
Bei Tätigkeitsaufnahme werden die teilnehmenden Gefangenen auf ihre fein- und grobmotorischen Fähigkeiten getestet. Anschließend wird der Grad der Anforderungen entsprechend der Leistungsfähigkeit jedes Teilnehmers individuell erhöht, und er erhält komplexere Aufgaben, die auch im Rahmen von Projektarbeiten im Team durchgeführt werden.
Die Teilnahme an einem der IHK-zertifizierten Lehrgänge in den Berufsfeldern Holz sowie Farbe hängt von der Vollzugsdauer ab. Die Gefangenen können im Berufsfeld Farbe an den IHK-Zertifikatslehrgängen (Module) 1. „Erbringen von Dienstleistungen: Service rund ums Haus“ und 2. „Individuelle Flächenlackierung (Airbrush“) teilnehmen. Innerhalb des Berufsfeldes Holz wird der IHK-Zertifikatslehrgang „Fachkraft Holztechnik“ angeboten. Im Berufsfeld Garten- und Landschaftsbau können Prüfungen entsprechend der Vorgaben und Anforderungen des Thüringer Landesamts für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLL) absolviert werden
Geeignete Teilnehmer (erfolgreiche Teilnahme an IHK-Lehrgängen, ausreichende Vollzugsdauer, Zustimmung der Abteilung Sicherheit vorausgesetzt) können ein achtwöchiges Praktikum in den jeweils fachlich geeigneten anstaltseigenen Betrieben durchlaufen. Dies dient im Wesentlichen der Festigung und Vertiefung bereits erworbener Kenntnisse.
Bei ihrem Ausscheiden aus der Bildungsmaßnahme erhalten die Teilnehmer - je nach Verweildauer - eine Teilnahmebescheinigung oder ein Zertifikat des Bildungsträgers. Alle Abschlüsse und Prüfungen im Projekt „B.I.S.S.“ sind zertifiziert.
Im Schwerpunkt „Integration“ erhalten die Teilnehmer Unterstützung bei der Bewerbung, Stellenakquise und Vermittlung. Diese Unterstützung wird im Rahmen desfreiwilligen beruflichen Übergangsmanagements von B.I.S.S. bis zu sechs Monate nach der Entlassung weitergeführt. Damit sollen beispielsweise berufliche Qualifizierungsmaßnahmen nach der Entlassung aus der Haft abgeschlossen werden können.